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«Ich habe mein Passwort geändert!»

Interview mit Daniela Banz



Wie war Dein Alltag bevor Du Deinem Leben nochmals eine grundlegende Wende gegeben hast?


Ich war verantwortlich für Marketing und Kommunikation bei einer Versicherung. Vor Covid täglich im Büro aber auch international bin ich viel gereist. Ich war angestellt, hatte Führungsverantwortung als Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung. Grundsätzlich ein relativ enges Korsett an Verantwortung und Verpflichtung. Typisch für die letzten 9 Jahre: ich war eigentlich ständig in Meetings, meine Agenda war jeweils schon auf ein halbes Jahr gefüllt mit Terminen. Vieles war ritualisiert und wiederholte sich jedes Jahr wieder. Die Reisen waren eine Abwechslung die ich schon sehr mochte aber es war auch anstrengend. Und ich war mein ganzes Arbeitsleben lang angestellt und wollte es jetzt einfach mal versuchen. Quasi im letzten Moment.


Du hättest Dich ja mit Deiner Erfahrung und Deinem Können auch einfach ein bisschen bequemer im Unternehmen einrichten können?

Nein, dafür bin ich ganz und gar nicht der Typ. Ich mag halt Herausforderung schon auch gerne. Natürlich brauchte ich eine Portion Mut. Interessant war, dass Leute, die den Schritt in die Selbstständigkeit unfreiwillig machten - beispielsweise wegen einer Kündigung – dass mich diese Leute warnten oder mir abrieten. Andere, die sich aus freien Stücken in die Selbstständigkeit wagten, ermutigten mich.


Was ist bei Dir passiert?


Es war ein Prozess. Während fast 2 Jahren reifte der Gedanke an oder das Liebäugeln mit einer Veränderung, einem Ausbrechen aus dem inzwischen Wohlbekannten. Ich habe mir schon vor ein paar Jahren einen Coach geleistet. Den ich übrigens selber bezahlte, bis er mich aufgeklärt hat, dass ich in meiner Position Anspruch auf einen Coach hätte. Das war auch ein wenig ein Schlüsselerlebnis. Nämlich besser für mich zu schauen. Und ich konzentrierte mich in meinen Gesprächen mit dem Coach darauf, was ich gerne noch machen würde, wo ich meine Fähigkeiten sonst noch einsetzen könnte. Ausschlaggebend war dann aber, dass meine Firma verkauft werden sollte und eine Reorganisation bevorstand. Das gab mir die Motivation den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Da war ich 54.


Ein Wechsel in den Wechseljahren. Kein Zufall?


Nein. Vor allem so um den 50igsten Geburtstag herum wurde mir die Endlichkeit des Lebens viel bewusster. Ich spürte psychisch und physisch die Wechseljahre und fing an mir Gedanken darüber zu machen, wie ich meine verbleibenden Berufsjahre gestalten will. Aber auch die Zeit nach der Pensionierung. Obwohl die ja gefühlt noch weit weg war. Obwohl ich mir gut vorstellen kann auch über 65 hinaus noch beruflich aktiv zu bleiben war es unvorstellbar für mich, in diesem Hamsterrad weiterzudrehen. Es fühlte sich auch nicht mehr richtig an, noch länger in der Finanzbranche und im Management mit Haut und Knochen dabei zu bleiben.


Apropos Haut und Knochen. Hast Du auch körperlich Veränderungen wahrgenommen?


Ja, ich wurde beispielsweise dünnhäutiger.

Mich hat ja auch in der Veränderung sehr beschäftigt, dass man manchmal nicht richtig weiss, ob man jetzt zu dünnhäutig ist wegen der ganzen hormoneller Umstellung oder ob das Problem vielleicht doch beim Gegenüber liegt oder die Situation falsch ist.


Welche Rolle hat Corina bei diesem Prozess gespielt?


Corinas Rolle mit ihren Workshops und Beratungen war es, mich dabei zu unterstützen, alles viel besser einordnen zu können. Sie lehrte mich auch das Bewusstsein zu schärfen für die durch den Wechsel ausgelösten Gefühle. Diese Hormone lassen einen ja manchmal schon Achterbahn fahren und können ganz schön verunsichern. Corina hatte unzählige Tipps. Auch was die Ernährung anbelangt, habe ich viel von ihr lernen können. Sehr praktisch und pragmatisch.


Zudem ist Corina eine unglaublich gute Netzwerkerin. Sie hat mich sofort mit Leuten zusammengebracht, die vielleicht eine Kommunikationsberatung brauchen könnten oder sonst irgendwie Bedarf an meinem Angebot haben könnten.

Zudem hat sie mich auch immer ermuntert meinen Weg zu gehen. Sie begleitet mich schon so viele Jahre zuerst im Yoga und seit einigen Jahren mit ihren holistischen Beratungen. Ihre gesamtheitliche Sicht auf den Menschen überzeugt mich.


Gibt es ein Mantra?


Ich habe mein Passwort geändert. Und zwar heisst es jetzt «my on boss» und früher war es «power girl.» Das sagt doch alles!


Was ist sonst noch anders?


Ich fühle mich gut. Auch wenn ich manchmal Angst habe, ob ich es wirklich schaffen werde, genügend Aufträge reinzuholen. Es gibt ich auch Tage, an denen ich zweifle und mich frage, warum ich mir das antue.


Im Moment tue ich mich noch recht schwer mit der Aquise neuer Kundschaft. Es fällt mir schwer, mich quasi zu verkaufen. Es fühlt sich jedes Mal so an, wie wenn ich im Winter im Zürichsee schwimme. Es braucht extreme Überwindung. Da kommt mir zugute, dass ich eigentlich sehr diszipliniert bin. Für den Einstieg habe ich für ein Jahr eine Mutterschaftsvertretung zwei Tage in der Woche. Das ist ein fixes Mandat als Medienverantwortliche eines Verbandes. Das gibt mir ein Grundeinkommen und erlaubt es mir, entspannt eine Kundenbasis aufzubauen. Das braucht halt Zeit.


Aber da ist auch die Freiheit. Die Freiheit, selber entscheiden zu dürfen, nicht mehr Teil von einem Unternehmen zu sein und immer allem zustimmen zu müssen, gerade als ich im Management war. Ich kann selbst über meine Agenda verfügen. Das ist grossartig. Und ich habe ein eigenes Büro in einer Bürogemeinschaft von Kommunikationsberaterinnen mitten in Zürich, was ich in jeder Hinsicht sehr geniesse.

Zusätzlich mache ich jetzt viel mehr Sport. Und zwar am Morgen. Das ist ein Privileg, welches ich nicht mehr aufgeben möchte. Wenn ich mich bewege, dann geht es mir gut.


Von welchem Mandat träumst Du?

Mein Lieblingsmandat wäre im Frauenfussball. Da kenne ich mich nach meinen Jahren bei der FIFA auch sehr gut aus. Aber ich finde auch viele andere Branchen spannend und freue mich natürlich über alle Anfragen aus Wirtschaft, Politik und von Unternehmen.

Ich konzentriere mich jetzt mal auf den Schweizer Markt. Irgendwann möchte ich aber auch wieder international arbeiten.


Daniela Banz, 56.

War in leitender C-Level Position über 20 Jahre verantwortlich für Unternehmenskommunikation, Marketing und Events. Unter anderem bei Swiss RE, FIFA und Swatch.


Seit einem halben Jahr selbstständige Kommunikationsberaterin für Unternehmen.

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